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News - Big wave session am Doubs  
   

Für so manchen Kajak Trip bedarf es einer langwierigen Planung und Organisation. Bei anderen hingegen kommt es auf Spontaneität an. Am Freitag den 2. März diesen Jahres sitzt Simon zu Hause vor dem Computer und starrt regungslos auf den Bildschirm, als ich gerade zu Tür reinkomme. "Der Doubs hat 600 Kubik", murmelt er. "Tendenz steigend".

Es gibt Playspots, die laufen nur an wenigen Tagen im Jahr. Oftmals entstehen gute Welle und Walzen erst dann, wenn langanhaltende und intensive Regenfälle zu besonders hohen Wasserständen führen. Die Welle unterhalb der Wittelsbacher Brücke in München wäre so ein Beispiel, oder auch La Scie und La Malate am Fluss Doubs in Frankreich.

Der Doubs entspringt im nördlichen Französischen Jura und fließt daraufhin über weite Strecken entlang der Schweiz-Französischen Grenze, ehe er sich scharf gen Westen wendet und schließlich südlich von Dijon in die Saône mündet. Vor Besançon wird der Doubs von zahlreichen Sohlschwellen und Wehrstufen unterbrochen, die bei geeigneten Wasserständen paddelbare Wellen und Walzen entstehen lassen.

Die winzigen Orte La Scie und La Malate geben den dortigen Wellen ihre Namen. La Scie und La Malate gehören sicherlich zu den besten Flusswellen in ganz Europa, vielleicht sogar der ganzen Welt. Seit Simon vergangenes Jahr das Glück hatte, diese zwei Wellen bei perfektem Pegel zu erwischen, beobachtet er ständig die Wasserstände im Internet. An besagtem 2. März ist es also endlich soweit. Der Doubs läuft...

Noch in der Nacht begeben Simon, Leppi, Ingrid und ich uns auf den Weg nach Besançon. In einer Blitzaktion hatten wir Arbeitstermine abgesagt, Mitpaddler informiert und das Auto gepackt. Massive Regenfälle in der Schweiz und in Frankreich sowie die immer schwerer werdenden Augenlider machen die Autofahrt zur Qual. Um 5 Uhr morgens beschließen wir, irgendwo in der matschigen Pampa, noch 100km vor dem Ziel, eine kurze Schlafpause einzulegen. Zu viert quetschen wir uns in ein kleines Drei-Mann-Zelt und fallen erschöpft in einen kurzen Schlaf.

Am späten Morgen hat der Regen aufgehört und so stopfen wir das Zelt zurück ins Auto und geben Gas, um endlich auf die ersehnte Welle zu kommen. Doch die muss erst noch warten. Denn als wir schließlich in Baumes les Dames von der Autobahn fahren macht es dumpf "klonk" und der Auspuff, der während der Fahrt schon bedrohlich laut wurde, ist nun endlich durchgerostet und abgefallen. Also heißt es Draht suchen und hochbinden.

Nach diesem unfreiwilligen Zwischenstop kann uns allerdings nichts mehr bremsen und so stehen wir kurze Zeit später inmitten französchischer Locals und anderer spontaner Paddler aus Deutschland in La Scie am Doubs, der inzwischen 700 Kubik führt und eine prächtige Welle über die gesamte Flussbreite bildet. Eine kräftige Weißwasserwalze geht in eine steile Wellenschulter auf Sufers links über, die man mit dem Kajak herabbeschleunigen kann um anschließend einen satten Air-Move ins Wellental zu werfen. Besonders bequem ist, dass man aus dem großen Kehrwasser unmittelbar in die Welle einfahren kann. Lediglich die langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Rides trüben den Spaß ein wenig.

Den restlichen Nachmittag und den darauffolgenden Sonntag verbringen wir an der Welle. Nur der knurrende Magen und die hereinbrechende Dunkelheit zwingen uns zur Rast. Die französischen Anwohner in La Scie begegnen uns Paddlern mit außergewöhnlicher Freundlichkeit. Sie stehen selbst stundenlang am Ufer und verfolgen das seltene Spektakel mit Neugierde. Das Campen unmittelbar an der Welle stört sie auch nicht und als wir Sonntag Abend mit beginnender Dämmerung aus dem kalten Wasser steigen, warten sie am Ufer und versorgen uns mit Thermoskannen voll heißem Kaffee - wir sind völlig perplex.

In der Nacht zum Montag ist der Pegel stark gefallen und für La Scie ist es nun zu wenig. Wir machen uns auf den Weg und fahren etwa 40km flussab nach La Malate, einem kleinen Ort am Stadtrand von Besançon. Die dortige Welle bildet sich hinter dem rechten Durchlass einer Wehranlage. Als wir ankommen warten bereits einige Paddler unschlüssig am Ufer. Bei diesem Wasserstand baut sich eine mächtige Walze am Rand der grünen Welle auf, die selbst einen gepflegten Frontsurf zur Mutprobe werden lässt. Denn wer auf die Welle aufspringen will muss erst einmal von oben ins Weißwasser fahren um anschließend nach rechts auf die Wellenschulter zu traversieren. Im Wildwasser würde man um einen solchen Rücklauf einen großen Bogen machen und ein Schwimmer hätte hier sicherlich auch keinen Spaß.

Bevor wir ins Wasser gehen präparieren wir unsere Süllränder mit Paddelwachs für mehr Reibung, um ein Aufpoppen der Spritzdecke durch den Druck der Walze zu verhindern. Dann geht es los. Aus der Kajakperspektive wirkt die Walze tatsächlich noch ein Stück größer als vom fernen Ufer aus. Aber sie erweist sich zumeist als gnädig und entlässt den Paddler recht zügig nach rechts auf den grünen Wellenberg. Von dort schießt das Kajak ins Tal und fängt wie von selbst an zu bouncen.

Nun bedarf es nur noch des richtigen Timings und der entsprechenden Körperrotation und schon fliegt das Boot in allen Variationen. Sämtliche Wellenfiguren sind auf La Malate möglich und dazu noch mit satt Air unterm Hintern. Die Zeit vergeht im Nu. Die Welle ist derart anstrengend, dass wir uns mit Paddeln, Filmen und Fotografieren abwechseln und so die nötigen Verschnaufpausen einlegen.


Simon zeigt sich von der Walze unbeeindruckt und schnuppert Höhenluft


Seppi fährt seinen PanAm clean - das ist handgelenkschonender ;o)


Ein Helix wie aus dem Lehrbuch - mit nem halben Meter Air unterm Rücken

Tags darauf ist der Wasserstand wieder ein gutes Stück gesunken. Die Walze ist nun nur noch halb so wild und man kann jetzt auch hier aus dem Kehrwasser einfahren, die Walze queren und schließlich auf die Wellenschulter aufspringen. Nur leider hat diese ebenfalls an Höhe und Steilheit eingebüßt. So toben wir uns also noch gehörig aus und beginnen langsam, an die Heimfahrt zu denken.

Rücken-, Schulter- und Handgelenksschmerzen zeugen von den körperlichen Anstrengungen dieses Trips. Aber die Erinnerung an die gepflegten Sessions auf La Scie und La Malate werden sämtliche Wehwehchen überdauern. Und eines ist gewiss: den Internetpegel des Doubs werden wir auch in Zukunft ganz genau beobachten.

Text: Seppi
Bilder: Simon, Seppi, Stefan "Maus" Haderer
Videoclip, 2:46min, Schnitt und Editing Simon

 
 
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