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News - Kajak Freestyle EM 08 Ourense, Spanien  
   

Ein Sonnenstrahl trifft mich ins Gesicht. Ich blinzle, öffne die Augen. Erstmal orientieren. Es ist früh morgens. Ich sitze auf der Rückbank eines knatternden VW Busses, neben mir 4 winzige Freestyle Kajaks übereinander geschlichtet, hinter mir droht ein Berg von Taschen und Tüten über mich herzufallen und vor mir sitzen die drei Franzosen, die sich freundlicherweise dazu bereit erklärt haben, mich auf die Europameisterschaft im Kajak Freestyle mitzunehmen. Sie scheinen schwer damit beschäftigt zu sein, den richtigen Weg ausfindig zu machen. Straßenschilder zischen vorbei. „On est oú là ?“ gähne ich nach vorne. Mathieu dreht sich um und grinst: „Presque arrivé“.

scenic

Die Europameisterschaft findet dieses Jahr in Spanien statt, genauer gesagt am Rio Miño in der galizischen Stadt Ourense kurz vor der Portugisischen Grenze. Von München aus wären es etwa 2200 Kilometer Anreise nach Ourense und obwohl wir aus dem weitaus näheren Lyon aufgebrochen sind, hatten wir doch immerhin noch 1500 Kilometer zurück zu legen und sind daher 2 Nächte lang einfach durchgefahren. Und mit nur 3 Stunden Schlaf pro Nacht fühle ich mich entsprechend gerädert und bin heilfroh als auch tatsächlich nach kurzer Zeit das Ortsschild von Ourense deutlich zu erkennen ist.

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Foto: Petr Prause

„Ola del Milenio“ heißt die Welle der Europameisterschaft, benannt nach der eigentümlich geformten Brücke im Hintergrund. Doch der interessante Name verspricht zu viel, entpuppt sich die Stelle doch bei der ersten Trainingseinheit als äusserst schwierig und gewöhnungsbedürftig. Beschreiben könnte man den Spot als kleine Walze in Flussmitte mit einer Wellenschulter auf der Surfer’s linken Seite. Doch leider ist die Wellenschulter zu klein, um wirklich spektakuläre Figuren zu ermöglichen und auch die Walze in der Mitte hat zu wenig Kraft, um den Paddler nach schwierigeren Manövern noch zu halten. Und obwohl Organisator Lluis Rabaneda ein Abkommen mit dem örtlichen Wasserkraftwerk geschlossen hat und optimale Wasserstände den ganzen Wettkampf über garantiert, so ist doch zu befürchten, dass auf dieser Europameisterschaft keine der radikalen Figuren und neuen Kreationen der letzten Zeit gezeigt werden können.

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Das gesamte deutsche Team ist ist in einem Studentenwohnheim, gut 5 Autominuten von der Welle entfernt, untergebracht. Wider erwarten sind die Zimmer zwar mit Küche, allerdings nicht mit Kochgeschirr ausgestattet. Und so heißt es erst mal, Töpfe, Pappteller und Plastikbesteck besorgen, bevor überhaupt an Essen gedacht werden kann. Zumindest kann das Studentenwohnheim aber mit Tischtennisplatte, Billiardtisch und Tischfußball aufwarten und so wird noch vor der eigentlichen EM der erste haushohe Sieg für’s deutsche Team eingefahren – nämlich im Kickern gegen die hoffnungslos unterlegenen Iren, die sich in der selben Unterkunft einquartiert haben.

kickern

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Eröffnungsfeier

Nach den offiziellen Team Trainings geht es dann mit den Vorläufen am Mittwoch und Donnerstag so richtig los. Den Auftakt machen die Herren und zeigen, dass man der Welle durchaus den ein oder anderen Highscore Lauf entlocken kann. Allerdings bedarf es höchsten Fingerspitzengefühls um sich auf der Welle zu halten und die vollen 45 Sekunden eines Laufes ganz auszunutzen. Denn wer einmal von der Welle fällt, schafft es nicht mehr rechtzeitig das Kehrwasser hinauf.

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Mit soliden Läufen über die volle Zeit gelingt es mir in der Vorrunde, mich hinter dem amtierenden Europameister Mathieu Dumoulin und noch vor Vize-Weltmeister Peter Csonka auf den zweiten Platz zu schieben.


Seppi, Foto: Petr Prause

Den übrigen deutschen Startern in der Herren und Damen Kategorie werden leider frühe Flushs (= von der Welle fallen) zum Verhängnis. Allerdings schaffen es 3 deutsche Juniorinnen und ein Junior, sich für das Finale der besten 5 zu qualifizieren.

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Felix Junge loopt sich souverän ins Junioren Finale

Freitag ist der Tag meiner Viertel- und Halbfinale. Im Viertelfinale kann ich dabei meine Läufe aus der Vorrunde problemlos wiederholen. Die Blunts sitzen vorwärts wie rückwärts, dann ein satter Loop und zum Abschluß noch ein paar vertikale Figuren auf der Walze in Flussmitte.

seppi loop

Der Einzug ins Halbfinale der besten 10 ist kein Problem. Doch dieses findet dann gleich am Nachmittag statt und verlangt von jedem Starter letzte Kraftreserven. Das Niveau ist hier besonders hoch und jede Unaufmerksamkeit wird von der kleinen Welle sofort bestraft. Und so ergeht es dann auch mir, als ich nach gutem Anfang eine Figur zu weit im Weißwasser ansetzte und erbarmungslos von der Welle geworfen werde. Die Ergebnisliste bestätigt: 6. Platz und nur um Haaresbreite am Finaleinzug vorbei geschrammt.

seppi cw links

Die Finalläufe sämtlicher Kategorien finden schließlich der Reihe nach am Samstag statt. Bereits früh morgens müssen die drei deutschen Juniorinnen an den Start. Die Punktezahlen der Teilnehmerinnen liegen dabei in mancher Runde atemberaubend eng beieinander. Am Ende ist es ein wahrer Krimi um die Medaillenränge, den Sandrina Hornhardt aus Achern vor einer Britischen Mitstreiterin und Andrea Kaspers aus Bonn für sich entscheiden kann. Gold und Bronze für Deutschland.

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In den Finalläufen der K1 Damen und Herren, die allerdings ohne deutsche Beteiligung vonstatten gehen, können Flea Jarvie (GBR) und Mathieu Dumoulin (FRA) ihre ganze Wettkampferfahrung ausspielen und holen sich in der jeweiligen Kategorie die Goldmedaille.

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Mathieu holt sich den zweiten EM Titel in Folge

Nach der Preisverleihung geht es Abends dann ins Stadtzentrum von Ourense, um den Ausklang dieses erfolgreichen Events gebührend zu feiern. Und nicht wenige Teilnehmer machen sich schließlich am nächsten Morgen mit nur 2 Stunden Schlaf auf den langen Heimweg. Und so krieche auch ich wieder in den vollgepackten VW Bus der Franzosen und beschließe, erstmal noch ein wenig weiter zu dösen…

Text: Seppi Strohmeier
Fotos: Judith und Jochen Eickhoff, Phillip Hitzigrath, Petr Prause

Resultate:

K1 Herren –
1. Mathieu Dumoulin (FRA)
2. Gael Kernin (FRA)
3. Peter Csonka (SVK)
6. Seppi Strohmeier (TGM München)
43. Thomas Hinkel (PSM Münster)
44. Martin Koll (AKV Augsburg)

K1 Damen –
1. Flea Jarvie (GBR)
2. Querine Wegman (NDL)
3. Nina Halasova (SVK)
14. Melanie Wolff (GER)
16. Stefanie Bank (KC Wickede)

K1 Junioren –
1. Sebastien Devred (FRA)
2. Maxime Renault (FRA)
3. Joe Bradley (GBR)
4. Felix Junge (RSV Hannover)
8. Jakob Ehrl (TV Passau)
9. Paul Meylahn (Spvg Boich/Thum)
13. Fiete Junge (RSV Hannover)

K1 Juniorinnen –
1. Sandrina Hornhardt (DJK Achern)
2. Poppy Layton (GBR)
3. Andrea Kaspers (KSSG Bonn)
5. Melinda Schwarzer (KC Wickede)

C1 –
1. David Bainbridge (GBR)
2. Jordi Domenjó i Cadefau (ESP)
3. Alexandre Besseau (FRA)
8. Toby Hüther (KC Saarbrücken / AKV Augsburg)
9. Philip Hitzigrath (Ulmer KF)

 
 
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